Photo-Reiseportraits

 

Zurück zu den Wurzeln, zukunftsweisend mit Musik

Von der Brandruine zum musikalischen Zentrum der Mecklenburgischen Festspiele - das Schloss Ulrichshusen

Karin Mühlenberg

Manch eine wahre Geschichte klingt wie ein Märchen. So auch die Ereignisse rund um das Schloss Ulrichshusen, das durch die anpackende Leidenschaft der neuen-alten Schlossherren zur Belebung sowohl für Kulturliebhaber als auch für die regionale Entwicklung gesorgt hat.

von Maltzahn Ulrichshsuen; Fotografin: Karin Muehlenberg, Berlin 2009

Alla und Helmuth von Maltzahn 2009

Es war einmal der Sohn aus einem uralten Adelsgeschlecht in Mecklenburg Vorpommern namens Ulrich von Molzahn. Er suchte einen atemberaubend schönen Platz für sein Schloss und fand ihn schließlich nördlich von Waren / Müritzsee. Im Jahr 1562 errichtete er am Ufer eines kleinen Sees ein Wasserschloss, das sogleich seinen Namen trug: Ulrichshusen. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Schreibweise des Familienamens, die auch unterschiedliche Familienlinien anzeigen, von Moltzan, über Maltzahn zu Maltzan. Doch dramatischer war die Veränderungsgeschichte des Schlosses: Es brannte zweimal ab und wechselte die Besitze, bis die letzten adeligen Eigentümer 1945 aufgrund der Bodenreform enteignet wurden.

Doch der emotionalen Zugehörigkeit tat die Geschichte für den heutigen Besitzer Helmuth von Maltzahn keinen Abbruch. Die mehr als 800-jährige Familiengeschichte, die vor über 400 Jahren in Ulrichshusen begann, hat ein starkes Band auch an diesen Herkunftsort geknüpft.

Ulrichshusen Turm; Fotografin Karin Muehlenber, Berlin 2009

Im Westteil Deutschlands aufgewachsen lag es nach dem Fall der Mauer deshalb nahe, den ehemaligen Familienbesitz zu besuchen. Der Schock, eine verwahrloste Brandruine anzutreffen, war nicht stark genug, um Visionen zu verhindern. Die Familie von Maltzahn kaufte den alten Familienbesitz zurück. Mit Frau, Töchter, Gummistiefel, Arbeitskleidung und Pflaster ausgestattet, zog Helmuth von Maltzahn 1993 schließlich von Frankfurt am Main in die landschaftliche Idylle, um die Ärmel aufzukrempeln und wie sein Urahn von vorne anzufangen.

Restaurant Ulrichshusen, Fotografien: Karin Muehlenberg, Berlin  2009

Doch die Zeichen der Zeit ermöglichen heutzutage andere Geschäftsmodelle als ehemals. Im Zuge derzeitig großer Kulturveranstaltungen sollte dieser Ort für viele Menschen zur Erholung und Inspiration dienen. Dafür braucht es weitreichende Vorstellungskräfte. Denn, als Helmuth von Maltzahn dem Gründer und Leiter der Mecklenburgischen Festspiele, Matthias von Hülsen, seine Ideen vortrug, lag dieser Ort noch jenseits allen Vorstellbaren brach. Immerhin: Erfolg ist mit den weisen Visionären. Von dem momentanen Zustand nicht abgeschreckt erkannte auch Matthias von Hülsen den Wert der Anlage. Es verging kein Jahr, als nach einem Arbeitsmarathon schon das erste Konzert gespielt werden konnte.

Dieses Konzert wurde 1994 von keinem Geringeren als Jehudi Menuhin eröffnet. Helmuth von Maltzahn hat diesen Tag noch lebendig in Erinnerung: "Jehudi Menuhin wollte Pate bei der Geburt von Ulrichshusen als Festspielzentrum stehen. Es war unglaublich beeindruckend. Wenn ich ihn höre, dann bekomme ich eine Gänsehaut - die Musik ist schier unwirklich. Die große Scheune war überfüllt. Es war ein wunderschöner Tag. Nach dem Konzert gab es ein Feuerwerk direkt aus der Ruine heraus. Das war das i-Tüpfelchen und wie ein Symbol: Hier hatte es gebrannt und nun beginnt eine neue Zeit. Und schließlich der krönende Abschluss: In den 19-Uhr-Nachrichten gab es einen Bericht von dem Konzert im kleinen Dorf Ulrichshusen, der sogarn noch vor den damals aktuellen Michael-Jackson-Neuigkeiten gesendet wurde. Da wussten wir, die Arbeit hat sich gelohnt, das ist der Durchbruch."

Kamin-Speisesaal Ulrichshusen, Fotografin: Karin Muehlenberg, Berlin 2009

Der Ort hat sich mittlerweile vom Geheimtipp zu einer zunehmend bekannten Stätte des Musikgenuss entwickelt. Das hilft auch der lokalen Konjunktur enorm. Herausragende Musiker, Nachwuchstalente und weitere Künstler mit Weltruf wie Daniel Hope oder Anne-Sophie Mutter haben die zahlreichen Besucher bereits mitgerissen. Neben der Festspielscheune sorgen darüber hinaus auch ein Restaurant und ein Hotel.für Entspannung. Doch damit haben die Pläne noch kein Ende gefunden. Der musikalische und menschliche Genuss ohnehin nicht.

Das Festspielprogramm - das auch an anderen Orten stattfindet - ist hier zu finden:
http://www.festspiele-mv.de/

Mehr über Ulrichshusen:
http://www.ulrichshusen.de/

Pferdestall Restaurant Ulrichshusen, Fotografie Karin Mühlenberg, Berlin 2009