Photo-Reiseportraits

 

Die Uckermark - das pulsierende Herz reicher Natur

Uckermark Landschaft, Brandenburg, Karin Mühlenberg

Unbeschwert gleitet der Blick über jeden einzelnen Hügel hinweg, streift das Schilf und die Blesshühner auf dem See und bleibt an den Seerosen hängen, bevor er auf die letzten Sonnenstrahlen trifft, die in den seichten Wellen des Sees eintauchen. War das eben ein Seeadler, der heruntergeschossen kam und sich einen Fisch aus dem See griff? Zumindest sind sie im Gegensatz zu anderen deutschen Regionen hier nicht ungewöhnlich. Im Naturpark "Uckermärkische Seen" haben diese selten gewordenen Adler iihren Lebensraum beibehalten..

Die eiszeitliche Endmoränenlandschaft liegt da wie fürs unaufhörliche Entdecken bestimmt. Das Aufspüren von Naturschätzen ist einfach. Denn im Land der 300 Seen, Flüsse und Bäche ist der Naturreichtum fast kostenlos. Malerisch, wie eine funkelnd gefüllte Schatztruhe, berühren die vielen hügeligen Felder, Wälder, Seen und Orte die Tiefen der Seele.

Der Luftkurort Lychen ist eine dieser glitzernden Besonderheit, ist er doch gleich von 7 Seen umgeben.

lychen Uckermark See Kanu Floß, Karin Mühlenberg

Die landschaftlichen Schönheiten sind gar nicht mal versteckt,. Sie liegen ganz selbstverständlich und in sich ruhend zum Zugreifen -oder besser: zum Hineinspazieren - bereit. Wassersportler können die vielen Wasserwege genießen, Radler die drei gut ausgeschilderten Radwanderwege.

Floß See Lychen Uckermark, Brandenurg, Karin Mühlenberg

Dort lassen sich weitere Mitbringsel der eiszeitlichen Bewegungen entdecken: Findlinge jeglicher Größe grüßen gelassen. Kleinere Steine wurden seit jeher für Wege und zum Bauen von Mauern, Häusern oder Kirchen - zum Teil mit Ziegel im Stil der Backsteingotik -, verwendet. Das Rittergut in Bülowssiege ist ein imposantes Zeugnis dieser Bauweise.

Buelowssiege, Uckermark, Brandenburg, Feldstein Gebaeude, Karin Mühlenberg

In Angermünde ist auch moderne Feldsteinkunst zu finden. Die Open-Air Findlings-Skulpturen-Galerie zeigt unter dem Motto „Steinzeit der Moderne“ die Feldsteinarbeiten, die alle zwei Jahre bei dem Internationalen Hartgesteinsymposiums von Bildhauern erschaffen werden.

Angermuende, Feldsteine, Findling, Uckermark, Brandenburg, Karin Mühlenberg

Im nahegelegenen Ort Stolpe, das seit dem Jahre 2003 zu Angermünde gehört, wacht ein mittelalterlicher Burg-Turm aus dem 12. Jahrhundert von einer Anhöhe am Rande der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße über den Nationalpark Unteres Odertal.

Uckermark, Brandenburg, Unteres Odertal, Stolpe, Hohensaaten-Driedrichsthaler-Wasserstraße, Karin Mühlenberg

Von dort wandert der Blick weit am Wasserlauf der ehemaligen Oder entlang und auch nach Polen hinüber. Stolpe, das ist ein altslawischer Ausdruck für einen Ständer im Fluss, der dem Fischfang dient. Ein guter Ort auch für die Bedürfnisse im Mittelalter nach einer Wehranlage. Nach der Gründung durch die Slawen ist von einer Burganlage heute nur dieser Wehrturm erhalten erhalten geblieben, der wahrscheinlich der größte Deutschlands ist.

Gruetzpott, Stolpe, Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstrasse, Brandenburg, Wehr Turm, Karin Mühlenberg

Webalbum-Diashow

Einstmals diente er als Wohnstätte. Erst seit 2008 ist er öffentlich zugänglich. Doch um diesen Turm ranken sich auch furchterregende Sagen über den Raubritter Tiloff. Und den Spitznamen "Grützpott" hat der Turm dem vergeblichen Versuch seiner Bande zu verdanken, sich nach dessen Tod gegen die Erstürmung der umliegenden Bewohner zu wehren: Der Angriff erfolgte zur Essenszeit. Weil gerade ein Topf Grütze auf dem Feuer garte, kippten die hungrigen Verteidiger hilflos auch diesen auf die Meute. Das war zwar vergeblich, doch der Ausruf "Grützpott" vom bekleckerten Angreifer hat sich erhalten.

Heute geht es friedlicher zu.

Wie eine Wellnesskur inmitten der Natur lädt die Luft zum tiefen Durchatmen ein und entfesseln die Leichtigkeit eines Schmetterlings. Da verwundert es auch nicht, dass ab und an der seltene und farbenprächtige Eisvogel aus den Wäldern wie ein in die Luft geworfener Diamant schimmernd aufsteigt.

Und auch in einem anderen der insgesamt drei großen nationalen Naturlandschaften finden sich besondere Eindrücke. Im UNESCO Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin erstreckt sich beispielsweise das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands. 

Die Uckermark - das ungewohnt klingende und unbekannte Territorium. Sie ist eine landschaftliche Form, die an die wasserreichen, waldigen Weiten Skandinaviens und gleichzeitig an die landschaftlich malerischen Gegenden in Mitteldeutschland erinnert. Der Name hört sich wie eine sprachliche Mischung an. Und in der Tat ist dieser Name ein Begriffsmix. Es deutet auf die sprachliche Ableitung des slawischen Wortes "vicru", das "schnell" bedeutet. Damit wurde einst jener Fluss im Teil der Mark Brandenburg bezeichnet, der durch die Uckerseen

Uckersee, Uckermark, Aussichtsplattform, Brandenburg, Karin Mühlenberg

nach Norden ins Stettiner Haff fließt und in dessen Umgebung sich im 7. Jahrhundert Slawen ansiedelten. Relikte des Völkerstamms der Slawen haben sich bis bis heute nicht nur in der Bauweise von Burganlagen, sondern auch in der Sprache niedergeschlagen: die Endung -ow, die in Ortsnamen wie etwa in Schönow, Zollchow oder Gramzow festgehalten sind, deuten darauf hin. Im Laufe der Geschichte ließen sich weitere Menschen nieder, die die Entwicklung beeinflussten. Auch Klöster und Schlösser zeugen heute noch davon.

Im 15. Jahrhundert ging der Name auf die Region in die Bezeichnung Uckermark über, auch Terra Ukera genannt. Der Landstrich war von den Askaniern und dem pommerschen Herzogtum begehrt und umkämpft. Deshalb haben sich die regionalen Grenzen immer mal wieder verschoben, wie auch die Geschichte von Schloss Criewen im Nationalpark "Unteres Odertal" zeigt. Die meiste Zeit gehörte die Anlage zu Brandenburg, doch zwischenzeitlich gelangte sie unter die Direktive von Pommern.

Criewen, Kanal, Oderbruch, Oderberge, Uckermark, Brandenburg, Karin Mühlenberg

Aus dem 17. Jahrhundert finden sich im Land die Spuren von schwedischen Kriegshandlungen. Aus der Zeit des 30-jährigen Krieges stammt die Schwedenschanze in Schwedt.

Mit Ausklang des 18. Jahrhunderts holte Friedrich Wilhelm I. die hugenottische Siedler aus Frankreich nach Brandenburg. Sie brachten ihr Know-how und neue Berufe mit und bauten das Land auf - unter anderem gelang ihnen der Tabakanbau,

Vieraden, Uckermark, Brandenburg, Tabak, Tabakpflanze, Bluete, Karin Mühlenberg

dessen Geschichte heute noch anschaulich in dem Ort Vierraden bei Schwedt mit Werkzeugen an Originalstätten regelrecht zu erleben ist.

Vierraden, Tabak, Mudeum, Uckermark, Brandenburg, Karin Mühlenberg

Heute ist es die Uckermark der nordöstlichste Landkreis Brandenburgs und der größte Deutschlands noch dazu. Im Osten stößt sie an die polnische Grenze an der Oder, im Westen trifft sie auf Mecklenburg-Vorpommern. In jeder Himmelsrichtung liegt eine größere Stadt: Im Norden befindet sich die historisch bedeutsame Kreisstadt Prenzlau,

Prenzlau, Uckermark, Brandenburg, Karin Mühlenberg

im Osten Schwedt,

Uckermark, Buehne, Schwedt, Brandenburg, Karin Mühlenberg

im Süden Angermünde

Angermuende, Brunnenplatz, Uckermark, Brandenburg, Karin Mühlenberg

und im Westen Templin. In Templin lässt sich eine Entspannungspause in der natürlichen Soletherme nehmen. Das Wasser findet seinen langen Weg aus 1.600 Metern Tiefe an die Oberfläche.

Templin, Therme, Uckermark, Brandenburg, Karin Mühlenberg

Als Kontrastprogramm sorgt die nahegelegene Westernstadt Eldorado für Aufregung. Sie offenbart eine ganz andere Lebensweisen und könnte durch Goldwäsche oder Banküberfälle mehr oder weniger auch zum Reichtum beitragen - wie es eine Goldwaschstelle und Inszenierungen für die Zuschauer darstellen.

Eldorado, Westernstadt, Templin, Uckermark, Brandenburg, Karin Mühlenberg

Es ist eine Region, die wie geschaffen ist für die Christoph Columbusse dieser Zeit - für Erholungssuchende aber auch für Powermenschen. Denn die Uckermark bietet weitere stille Superlative: es ist eine der sonnenreichsten Regionen und zudem spärlich besiedelt mit durchschnittlich 46 Einwohner pro Quadratkilometer. Im Vergleich dazu leben in Berlin 3.846 Einwohner auf der gleichen Fläche.

Im Gegensatz zum heutigen Landkreis umfasste die sogenannte historische Uckermark eine größere Fläche. Einer der ehemaligen Orte ist weltweit bedeutend, der nun dem Nachbarkreis Oberhavel angehört: Himmelpfort.

Weinhachtsmann, Himmelpfort, Weihnachtsmannmuseum, Brandenburg, Karin Mühlenberg

An diesen Ort mit Klosterruine senden Kinder von überall aus der Welt ihre Wünsche an den Weihnachtsmann. Doch man gelangt auch mit der Draisine von Templin dorthin

Draisine, Templin, Uckermark. Brandenburg, Karin Mühlenberg

sowie über einen der vier Seen, die um den idyllischen Ort liegen. 

Aber auch die Gebietsverwaltung zu DDR-Zeiten hat ihre Spuren hinterlassen: Die Uckermark wurde durch die Verwaltungsreform von 1952 aufgelöst und in Teilen drei verschiedenen Kreisen zugeordnet. Doch als die Bevölkerung nach der Wende für eine Erneuerung des Landes Brandenburg stimmte, wurde die Uckermark im Jahr 1993 wieder zusammengeführt. Mit 3058 Quadratkilometern bildet er seitdem den größten Landkreis Deutschlands.

Mit der deutschen Wiedervereinigung nahm der Landstrich unter friedlichen Aspekten eine ganz andere Entwicklung als bisher. Die Region hat zwar erneut einen Menschenschwund zu verzeichnen. Doch diesmal liegen sie nicht in Krankheitsseuchen, Feuersbrünsten oder Kriegstreiben begründet. Mangelnde Einnahmequellen führen zur geografischen Umorientierung und damit zur Abwanderung vieler Menschen. Es ziehen umgekehrt jedoch zunehmend Menschen aus den Großstädten an diesen in die Uckermark, um eine neue Lebensphase zu beginnen. Die Geschichten einiger Neu-Uckermärker sind jüngst in dem Bildband "Die Zugezogenen" dokumentiert, der von der engagierten Kultureinrichtung "Multikulturelles Centrum Templin" herausgegeben wird.

Templin, Multikulturelles Centrum Templin, Brandenburg, Karin Mühlenberg

Damit ist ein neuer Prozess in der uckermärkischen Geschichte eingeläutet. Es sind häufig Zugzogene, die die Kraft dieses schönen Fleckchens Erde in neue Impulse umwandeln. Und daraus Anziehungspunkte machen. Oft werden sie zu Stätten mit typischen sowie speziellen kulinarischen Genüsse.

Moränen und anderen Fische der Region sind auf dem regionalen Speiseplan zu finden, oder aber auch Nudln - das ist der uckermärkische Ausdruck für Kartoffeln. In besonderen Läden, den Q-Regio-Läden, finden sich die Erzeugnisse der Region. Der originale Uckerkaas ist eine dieser Spezialitäten, die Köstlichkeiten aus Äpfeln, die von der "Apfelgräfin" aus Haus Lichtenhain stammen, sind weitere Leckerbissen.

Apfelgraefin Haus Lichtenhain Boitzenburg Uckermark, Daisy von Arnim, Karin Mühlenberg

Bei dem Anblick wächst der Appetit und auch die Ahnung: es gibt noch so vieles mehr zu entdecken. Die Uckermark scheint ein verheißungsvolles Land dafür zu sein.

Karin Mühlenberg, 2009/2011