Photo-Reiseportraits
Die grüne Lebensader ist geblieben: das Grüne Band
1.400 Kilometer Naturschätze auf dem ehemaligen deutschen Mauerschutzstreifen.
Sie hatte und hat trotz Öffnung und Abriss noch immer eine deutliche Wirkung auf die Lebensbereiche in Ost und West, selbst wenn kaum einer die Grenzmauer von Nahem gesehen hat. Die Mauer hatte in einem Schutzstreifen eingebettet etwa 40 Jahre lang die deutsche Republik durchzogen.
Entlang der Scheidelinie zwischen den demokratischen und sozialistischen Welten enstanden in diesem Areal regelrechte Schatzkammern mit Naturkostbarkeiten. Seltene Pflanzen- und Tierarten hatten ihre idealen Lebensbedingungen gefunden, die in der sogenannten Roten Liste für aussterbende Arten aufgelistet sind. Viele dieser Arten offenbarten sich den überraschten Kennern gleich 1989 im Zuge der Grenzöffnung auf dem Areal, das aufgrund der Todesgefahr für Flüchtende als Todesstreifen bezeichnet wurde.
Mehr und mehr der seltenen, empfindlichen, vom Aussterben bedrohte Pflanzen- und Tierarten sind den Naturkundlern im Laufe der Jahre nach und nach unter die Augen gekommen. Schon vor dem Mauerfall entdeckten sie das seltene Braunkehlchen mit seinem Gesang, das einfach über die Mauer flog. Mittlerweile sind mehr als 600 gefährdete Arten wie Orchideen, Fischotter, Flussperlmuscheln iin 17 Naturräumen entdeckt worden. Man mag es kaum glauben, aber auch Wildorchideen sind in Deutschland zu Hause. Sie gedeihen lediglich auf niedrig bewachsenen Flächen und sind auf Wiesen im Vogtland, im Cheiner Torfmoor bei Salzwedel in Sachsen-Anhalt und in der Rhön zu finden.
Das ist für alle Arten in diesem Streifen der verbindende Nenner: die im Wachstum kurz gehaltene Vegatation. Einst wurde sie auf dem 10 Meter breiten Kontrollstreifen von Grenzsoldaten entlang der Mauer von der Ostsee im Norden bis zur sächsischen Grenze im Süden gestutzt, um die Sicht auf die Mauer frei zu halten. Geografisch betrachtet erstreckte sich die deutsch-deutsche Grenzanlage über weite Strecken nicht nur durch Orte im Flachland und in bergigen Regionen. Die Grenzelinie durchzog auch Wasserwege, Wälder und Wiesen - und bewahrte dieses Landschaftsgefüge im Gegensatz zu
anderen Regionen, in denen bauliche Maßnahmen oder Trinkwassergewinnung in das Naturgleichgewicht eingriffen sowie ganze Landstriche veränderten und damit auch Lebensräume vernichteten.
Naturschutz schafft Menschenbegegnungen
Die entstandenen Natur-Lebensräume führen seit dem Mauerfall nun auch die Menschen zusammen, die sie vorher trennte. Naturliebhaber aus Ost und West, die sich aktiv dem Schutz der Natur verschrieben haben, kümmern sich seit 1989 gemeinsam um deren Pflege und Erhalt. Schon damals entschlüpfte jemandem treffend der symbolhafte Begriff “Grünes Band”, der seitdem für die lange Strecke gebräuchlich ist. Einige Jahre später, 2005, wurde das Naturband sogar zum “Nationalen Kulturerbe“.
Die internationale Dimension der Mauer und des damit einhergehenden Artenerhalts wird angesichts von Zahlen deutlich: Mit der Bezeichnung "Green Belt" verbindet die Lebensader seit 2004 über die gesamte Strecke von 13.000 Kilometern 23 Nationen, wo zuvor der sogenannte Eisernen Vorhang die Landschaft durchschnitt.
Die Naturpflege ist ein hartes Stück Arbeit. Hinzu kommen all die kulturellen Besonderheiten entlang der Strecke, die oftmals unbeachtet bleiben und nun zunehmend ins Bewusstsein gerückt werden sollen. Mit dem deutschen Projekt “Erlebnis Grünes Band” hat sich das Bundesamt für Naturschutz dieses Ziel gesetzt. Über 3 Jahre hinweg arbeiten Tourismusverbände mit Naturschutzverbänden und Kulturhistorikern in drei deutschen Modellregionen zusammen, um die attraktiven und noch unbekannten Regionen mit Tourvorschlägen und besonderen Anlaufpunkte lebendig zu machen. Eine dieser Regionen ist die thüringisch-fränkische Grenze, eine der Harz und die letzte das Elbe-Altmark-Wendland. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begleitet das Projekt wissenschaftlich.
Modellprojekt: Thüringen-Franken
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